Wenn der Knoten endlich platzt

Wenn der Knoten endlich platzt

Wenn der Knoten endlich platzt

Interview mit Heiko Pustar, Geschäftsführer der art&design Werbeagentur über seine Rolle als Coach gegenüber Mitarbeiter*innen und Kund*innen und seine eigenen Erfahrungen mit Coaching. 

Als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter einer Werbeagentur bist Du schon seit knapp 30 Jahren in der Führungsrolle. Was hat Führung für Dich mit Coaching zu tun?

Ich würde sagen, Führung ist immer auch Coaching. Und umgekehrt. Ein Coach führt Dich zu einem höheren Entwicklungslevel, und dafür bedient er oder sie sich verschiedener Techniken. Das musst Du beim Führen eines Unternehmens auch. Sogar immer, wenn Du in irgendeiner Form Personalverantwortung hast, also auch als Teamleiter zum Beispiel, egal wie klein das Team sein mag. Denn Du kannst nur führen, wenn Du die Fähigkeit hast, andere Menschen mitzunehmen auf dem Weg, den Du vorhast zu gehen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das macht man als Führungskraft – genau wie ein Coach – indem man sich eine Strategie überlegt, wie man die Mitarbeiter oder das Team am besten für seine Sache gewinnen kann. Nach diesem Initial kommt der eigentliche Prozess, der möglichst aufmerksam und mit Fingerspitzengefühl begleitet werden muss, damit man dem Ziel näherkommt. Ist das nicht ganz nah am Coaching? Und egal, ob das Ziel dann erreicht wird oder nicht: man hat gemeinsam ein höheres Entwicklungslevel erreicht. Der einzige Unterschied, den ich ausmachen kann, ist eventuell der Schwerpunkt des Prozesses. In der Unternehmensführung steht die Entwicklung der Company als Ziel ganz oben. Die Weiterentwicklung der beteiligten Personen ist der Weg dorthin. Beim Coaching kann durchaus ein anderes Interesse, ein eher persönliches der Beweggrund für den Prozess sein.

Dein Geschäftsführungspartner und Du, Ihr habt selbst Coaching in Anspruch genommen. Ich durfte intensiv mit Euch arbeiten. Wie kam es dazu?

Wenn ich zurückdenke an die Anfangszeit unserer Agentur, die Startphase mit 5-6 Mitarbeitern, wird mir bewusst, dass ich damals ganz intensiv gecoacht habe. Jede Grafikerin, jeden Webdesigner. Das ging mir wirklich leicht von der Hand. Und wir haben uns und das Unternehmen gemeinsam vorangebracht. Von der kleinen Grafikwerkstatt bis zum 30-köpfigen Unternehmen. In sehr kurzer Zeit. Und das hatte ich nicht mehr richtig im Griff. Zumindest nicht so, wie ich es wollte. Ich sah mich plötzlich nur noch mit „Bedürfnissen“ oder härter ausgedrückt „Befindlichkeiten“ beschäftigt. Zumindest habe ich das damals so empfunden. Daran hatte ich überhaupt keinen Spaß. Aber wer hat eigentlich behauptet, dass Arbeit Spaß machen muss? Du gerätst dann auch an Leute, die Dir sagen: „Willst Du Geld verdienen oder Spaß haben? – Na also. Hau rein, mach weiter!“ Das war keine gute Entwicklung. Ich fühlte mich überfordert mit Personellem und unterfordert mit Fachlichem. Ich liebte meine Arbeit als Grafikdesigner. Ich hatte nie das höhere Ziel, Chef zu werden. Das ergab sich mit dem Erfolg und der Anfang war auch gut so. Also wollte ich dorthin zurück. Zu dem Punkt, an dem ich noch alles gut im Griff hatte – und mich sogar noch mit Design, mit dem Formen von Unternehmensbildern, befassen konnte. Wir trennten uns also von unserem größten Auftraggeber und von 10 Mitarbeitern. Keine schöne Sache. Beides nicht.

Dann sollte alles wieder wie früher werden. Aber so kam es nicht. Die Mitarbeiter blieben unzufrieden, wir als Geschäftsführer auch. Es blieb anstrengend für mich, alles im Griff zu halten. Nichts lief einfach mal von selbst und zu unserer Zufriedenheit. Mein Geschäftspartner Thomas Scheffler kam dankenswerter Weise zu der Erkenntnis, dass wir uns aus dieser Situation nicht selbst befreien werden können. Er wollte professionelle Hilfe – ich nicht. Ich war nur genervt, noch mehr Zeit mit Reden zu verlieren. Und dann kamst Du ins Spiel. Hast uns als Geschäftsführung gemeinsam gecoacht und begleitet. Der Rest ist Geschichte.

Das Ganze ist ungefähr 4 Jahre her. Ich gehe wieder jeden Tag gern in meinen Laden. Ich mag meine Mitarbeiter*innen wieder richtig gern, weil ich wieder sehe, was sie jeden Tag leisten. Nicht für mich, nicht für sich, sondern für die Sache. Für das gemeinsame Ziel. Ja, wir hatten vor 4 Jahren nach einer sehr schweren Phase endlich wieder mal Glück: wir hatten EINEN GUTEN COACH. Und in dem Prozess mit Dir, Victoria, habe ich selber gelernt, ein besserer Coach zu sein. Einer, der auch in größerer Struktur führen kann. Mir waren vorher weder die Werkzeuge noch die Aufgaben an sich richtig klar. Heute benutze ich vieles, was ich bei Dir mitgenommen habe, eher intuitiv. Es ergibt sich eine Situation und ich kann souverän handeln. Das strengt nicht an, das fühlt sich leicht an und macht wieder Spaß wie am Anfang.

Auch gegenüber Euren Kunden hast Du oft eine Coaching-Rolle. Wie würdest Du diese skizzieren?

Wir haben uns als Agentur ein gutes Stück von der grafischen Leistung entfernt. Sie ist nicht mehr allein im Zentrum. Sie rangiert gleichwertig mit unseren Digital-Dienstleistungen und unserem dritten Feld „Strategische Beratung“. Hier geht es nicht nur um Werbung und Außendarstellung, sondern um das große Ziel Unternehmenserfolg. So weit ist das Feld, das man mit der Klammer Marketing umschließen kann.

Weil zum Erfolg eines Unternehmens ein paar mehr Zahlen als nur die Werbeplanung gehören, messen wir Kundenfrequenzen und Abschöpfungsquoten, setzen sie ins Verhältnis zu Monatsumsätzen und zu erzielten Margen. Wir vergleichen mit anderen erfolgreichen Unternehmen und arbeiten gemeinsam mit dem Kunden an diesen Kennzahlen. Wenn alle mitziehen, entsteht ein Entwicklungsschub, der gigantisch ist.

Aber hier liegt die Betonung auf ALLE. Damit meine ich nicht unsere Agentur und die Führungsmannschaft unseres Kunden, sondern alle Mitarbeiter des Kunden. Wenn man diesen Entwicklungssprung hinbekommen will, geht das nur mit den Menschen im Unternehmen.

Hier hilft mir die Erfahrung mit meinem eigenen Unternehmen sehr. Vor allem der intensive Prozess, den wir mit Dir, also mit Energie durch Entwicklung, geschafft haben. Daran lasse ich gern, wo es mir passend und notwendig erscheint, andere Unternehmer partizipieren.

Ich habe festgestellt, egal ob der Geschäftsführer mir gegenüber 20 Mitarbeiter oder 120 Mitarbeiter hat: Die „Problemchen“ mit den Menschen sind nahezu gleich. Und es ist kein Problem mit den Menschen, sondern ein Problem der „Führung“. Das sage ich natürlich nicht so. Sonst wäre ich ja raus als Berater. Ich berichte dem Gegenüber von meinen Erfahrungen, von meinen Mitarbeiten und meinen Sorgen damit. Daraus ergeben sich meist Parallelen zu seinen eigenen Erfahrungen und wir sind beieinander. Manchmal bleibt es nicht bei diesen Beratungen, sondern wir müssen tiefer rein, nehmen an Mitarbeitergesprächen teil oder führen diese sogar unter vier Augen, wenn das Verhältnis zur Führung schwierig ist. Hättest Du Dir vor vier Jahren vorstellen können, dass ich so etwas mal freiwillig machen würde?

Ich habe dem Auftrag an „Energie durch Entwicklung“ damals nur zugestimmt, weil mein Plan war, dass Ihr mir genau diese Dinge abnehmen werdet. Habt Ihr ja auch, aber nur so lange, bis ich es selber konnte. Das war auch gut so.

Du hast ja auch schon Coaching für Dich selbst genutzt. Was waren Deine Beweggründe und wie hat Dir das Coaching geholfen?

Auch wenn es sich jetzt für die Leser wie ein gesponserter Werbeblock anfühlen muss, ich kann es nicht anders sagen, als dass der Prozess mit „Energie durch Entwicklung“ für mich eine Initialzündung bedeutete. Nicht sofort. Überhaupt nicht. Ich war skeptisch, wollte schnelle Lösungen in der Form: „Stellen Sie dieses und jenes Verhalten meiner Mitarbeiter* innen bitte schnellstmöglich ab.“ Das habe ich sicherlich auch am Anfang in dieser Art angesprochen. 

Daran kann ich mich erinnern.

Irgendwie hast Du mir lange das Gefühl gegeben, dass Du das auch tun könntest, wenn Du genug über das Problem und unsere bisherige Entwicklung weißt. Deshalb habe ich mich überhaupt drauf eingelassen. Ich weiß auch noch, wie genervt ich war, dass wir ab dem 4. oder 5. Treffen nach Düsseldorf kommen sollten, einfach um mal raus zu sein. Aber ich habe es getan. Und es hat mir die Augen geöffnet. Ich habe so unfassbar viel über mich gelernt, über meine Vergangenheit, über meinen Weg, über die Ursachen, warum es plötzlich nicht mehr richtig vorwärts ging. Ich war irgendwann so drin in dem Prozess, dass mir erst viel später aufgefallen ist, dass Ihr gar nicht mit unseren Mitarbeiter*innen arbeitet, sondern nur mit uns, den zwei Geschäftsführern. Wenn ich das am Anfang gewusst hätte… Niemals!

Nach Monaten gab es dann doch noch Workshops mit allen in unserer Agentur. Das war mir plötzlich gar nicht mehr so wichtig, denn ich fühlte mich schon zu allem fähig. Auch wenn das vielleicht etwas blauäugig war, das Gefühl ist unbezahlbar. Das macht wieder offen für Pläne und Zukunft. Man hat Selbstvertrauen und traut sich wieder was. Das ist einfach nur gut. Und das war mir auf dem langen Weg verloren gegangen.

Ihr hattet es geschafft, dass ich mich wieder so fühlte wie in meiner wilden Zeit von Sturm und Drang. So mit 16 bis 20 Jahren, wenn man sicher ist, dass die Elterngeneration einfach nur zu wenig Mut hatte und man selbst das alles viel, viel besser machen wird. Mit Leichtigkeit. Genau so war ich mit 21 in die Selbständigkeit gestartet. Keine Ahnung von irgendwas, aber im festen Glauben, dass alles geht. Und dann lief auch alles genauso. Selbständigkeit, Studium nebenbei, plötzlich junger Vater sein mit Kinderbetreuung am Tag und selbständiger Familienversorger vom Abend bis in die Nacht. Die Batterie schien endlos vollgeladen und es war eine berauschende Zeit.

Dieses Gefühl hatte ich nach dem Prozess mit Euch so ähnlich wieder. Nur reifer. Ich war realistischer in den Zielen, aber genauso energiegeladen wie damals. Und weil mir das so einen Schub gegeben hat, habe ich weitergemacht. Habe mir unter anderem noch ein Training zum „Ziele erreichen, die für andere unerreichbar scheinen“ und einen „Speaker Workshop“ gebucht. Beides hat mich noch ein Stück weitergebracht. Auch mit diesem Mentor bin ich auf wunderbare Weise heute so verbunden wie mit Dir: emotional eng und freundschaftlich.

Ich kann sowas nur jedem empfehlen. Nicht nur Führungskräften, denen aber besonders. Wenn Du auf die richtige Mentorin, den richtigen Mentor triffst, hat das gewaltige Auswirkungen auf Deine Performance. In allen Bereichen, beruflich und privat. Ich würde sagen: Du bist für andere anders sichtbar. Und dadurch passieren ganz unglaubliche Dinge. Es ist faszinierend für mich, immer noch.

Vielen Dank, Heiko. Für Dein Vertrauen und für das offene Teilen Deiner Geschichte! 

Heiko Pustar

Heiko Pustar

Heiko Pustar ist fasziniert von Ästhetik und Design. Er hat schon in seiner Kindheit begonnen, kreativ zu arbeiten. Nach einigen Jahren Erfahrung aus der Selbständigkeit im Bereich Grafik und Werbung, ist er seit 2001 geschäftsführender Gesellschafter der art&design Werbeagentur und dort vor allem für Konzeption und Design zuständig. Darüber hinaus ist er im operativen Geschäft der Agentur für die Entwicklung von Kundenprojekten verantwortlich.
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